Schüler des Schiller-Gymnasiums in Köln-Sülz entwickeln Stolperstein-Guide
Im Kölner Stadtteil Sülz haben Schüler des Schiller-Gymnasiums einen Stolperstein-Guide entwickelt, um an die Opfer des NS-Regimes zu erinnern. Ein Projekt, das Geschichte lebendig macht.
KÖLN, 23. Juli 2026 — Eigener Bericht
In Köln-Sülz liegt der alte Bürgersteig im Schatten der Blüten von Kastanienbäumen, ihre Blütenblätter fallen wie Erinnerungen, die in die Erde sinken. Aber die Spaziergänge entlang der kleinen, unauffälligen Stolpersteine, die hier und da im Asphalt eingelassen sind, machen es schwer zu vergessen. Es sind nicht einfach Steine, sondern individuelle Gedenktafeln, die an die jüdischen Bürger erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Ein Schüler des Schiller-Gymnasiums stoppt vor einem der Steine, sein Finger gleitet vorsichtig über den Namen, der dort eingraviert ist. "Das ist nicht nur ein Name, das ist eine Geschichte", murmelt er, während seine Klassenkameraden ihn neugierig anstarren. Es ist ein Moment des Nachdenkens, der ganz im Stillen die Schwere der Vergangenheit spüren lässt.
Die Schüler haben im Rahmen eines Projekts einen Guide entwickelt, der nicht nur die Standorte der Stolpersteine auflistet, sondern auch die Geschichten hinter den Namen erzählt. Mit viel Engagement haben sie recherchiert, Interviews geführt und Texte verfasst. Der Guide ist mehr als eine einfache Informationsquelle; er ist ein Versuch, die Geschichte der Verfolgten wieder lebendig zu machen und der nachfolgenden Generation aufzuzeigen, dass Erinnerung nicht nur ein historisches Bedürfnis ist, sondern auch eine moralische Verpflichtung darstellt. Bei der Präsentation des Guides lachen und diskutieren die Schüler über ihre Erfahrungen. Es ist erfrischend, diese junge Begeisterung zu sehen, wie sie aufkeimt aus der düsteren Vergangenheit.
Die Bedeutung des Erinnerns
Das Projekt der Schüler des Schiller-Gymnasiums ist ein eindringlicher Beweis dafür, dass Erinnerung aktiv gestaltet werden kann. Stolpersteine sind nicht nur Monumente der Trauer, sondern auch Instrumente für Bildung und Reflexion. Indem die Schüler sich mit den Biografien der Opfern auseinandersetzen, erkennen sie, dass die Vergangenheit nicht in einer Schublade verstauben sollte. Stattdessen zeigt das Projekt, wie wichtig es ist, die Stimmen derer zu hören, die nicht mehr sprechen können. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart herzustellen.
Die retrospektive Betrachtung ist in der heutigen Zeit nicht nur eine nostalgische Übung, sondern eine Notwendigkeit, um aus der Geschichte zu lernen. Die Schüler beweisen, dass die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus nicht in den Geschichtsbüchern enden muss; sie kann in den Alltag einfließen und jüngere Generationen prägen. Der Stolperstein-Guide wird nicht nur in den Klassenzimmern verwendet, sondern auch von Eltern und Nachbarn, die sich gemeinsam mit den Schülern auf die Suche nach den Geschichten begeben. Dadurch wird ein gemeinsames Bewusstsein geschaffen, das über die Grenzen des Schulgeländes hinausreicht.
Wenn man durch die Straßen von Sülz wandert, sind die Stolpersteine allgegenwärtig. Während die Sonne im untergehenden Licht erstrahlt, steht ein Lehrer mit einer Gruppe Schülern vor einem Stein, der den Namen einer Frau trägt, die einst hier lebte. "Diese Steine sind wie Fenster in eine andere Zeit", sagt er nachdenklich. Die Schüler blicken gespannt auf den Namen, und man sieht, wie sich ihr Verständnis vertieft. Der Wind weht durch die Kastanien und scheint die Geschichten derer, die einst hier lebten, in die Gegenwart zu tragen. In einem Stadtteil, der von Geschichte und Erinnerungen geprägt ist, wird durch das Engagement der Schüler des Schiller-Gymnasiums ein kleiner, aber bedeutender Schritt gemacht, um die Erinnerung wachzuhalten.